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5 August, 2003
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Die Atmosphäre ermöglicht
Leben auf der Erde.

Klimaschutz ist von globaler Bedeutung.




Das menschliche Wirken beeinflusst das Klima
der Erde und damit auch unser Wetter.
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Die Atmosphäre
und das Klima sind für uns Menschen von grosser Bedeutung, denn
sie ermöglichen unsere Form von Leben auf der Erde. Das System
von Erde und Atmosphäre wird von zahlreichen natürlichen
Faktoren beeinflusst, zum Beispiel von natürlichen Treibhausgasen
(insbesondere CO2) oder natürlich entstandenen
Aerosolen. Nun wirkt aber der Mensch in besonderem Masse auf dieses
System ein, indem er unter anderem durch industrielle Vorgänge,
intensive Landwirtschaft und Verbrennung von fossilen Rohstoffen zusätzliche
Treibhausgase und/oder Aerosolpartikel produziert. Die Auswirkungen
dieser vom Menschen verursachten Einflüsse auf das Klima sind
vielfältig und komplex.
Der Kyoto-Umweltgipfel
von 1997 nahm sich zum ersten mal dieser Problematik im Rahmen einer
Weltkonferenz an. Sein Erfolg muss vor allem darin gesehen werden,
dass der globale Klimaschutz und die damit verbundene Einwirkung
des Menschen auf das Erdklima von über 150 Ländern und
der europäischen Union diskutiert wurde und sich bis auf wenige
Teilnehmer darunter die USA und China, Weltnummer 1 und 2
im Energieverbrauch beispielsweise alle verpflichteten, den
Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren. Die Schweiz ratifizierte
das Kyoto-Protokoll im Juli 2003 als 111. Land. Konkrete Erfolge
aus der Rahmenvereinbarung sind bislang allerdings noch wenige auszumachen:
Der Weltenergieverbrauch steigt weiter an, und auch der CO2-Ausstoss
wurde nur in einigen Ländern auf das angepeilte Niveau von
1990 gesenkt.
Soviel ist klar:
Die Klimaveränderung kennt keine Grenzen. Erderwärmung
hiess bislang das Haupt-Schlagwort in der Diskussion um einen vom
Menschen verursachten Klimawechsel (Zusammenstellung aller beeinflussenden
Faktoren s. Bild unten). Die unmittelbaren chemischen und physikalischen
Vorgänge der vom Menschen verursachten Treibhausgase, die diesen
Temperaturanstieg verantworten, sind heute ziemlich gut erforscht.
Die Unsicherheiten beim vom Menschen verursachten direkten und indirekten
Aerosoleffekt, die beide eine tendenziell abkühlende Wirkung
auf das Klima haben, sind hingegen noch recht gross. Hier ist weitere
intensive Forschungsarbeit nötig!
Die Resultate
aus der gesamten Klimaforschung führen in der Folge beispielsweise
zu genaueren Klimamodellen (s. Glossar).
Diese dienen zu verschiedenen Zwecken:
kurzfristige für verbesserte Wetterwarnsysteme
mittelfristige für neue gesetzliche Richtlinien
langfristige für einen globalen Klimaschutz.
 
Zusammenstellung der nach dem heutigen
Stand des Wissens dominierenden Faktoren, die eine Veränderung
des Strahlungshaushalts der Erde bewirken. Die Säulen zeigen
den globalen und über die Jahreszeiten hinweg gemittelten Strahlungsantrieb
im Vergleich zum Zustand zu Beginn der Industrialisierung (ca. 1850).
Die I-I in den Säulen zeigen an, wie gross die Unsicherheit
ist, dass die Säulenhöhe "korrekt" ist, die
den wahrscheinlichsten Wert angibt. Die vertikale Skala "Mittlerer
globaler Strahlungsantrieb" zeigt, wieviel vom Menschen zusätzlich
verursachte Strahlungsenergie in der Erdatmosphäre deponiert
wird. (Quelle: IPCC-Report, www.ipcc.ch)
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Treibhauseffekt.
Gelb die aus dem All eintreffenden Sonnenstrahlen, rot die von der
Erde abgegebenen Wärmestrahlen.

Die Erde erwärmte sich in den letzten
100 Jahren stetig.
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Klimaeffekte der Treibhausgase
Dank den
natürlichen Treibhausgasen Kohlendioxid (CO2),
Methan (CH4), Lachgas (Distickstoffoxid;
N2O) und halogenierte Kohlenwasserstoffe
(FCKWs) ist es auf unserer Erde nicht bitter kalt. Warum?
Ein Hinweis gibt ihr Name, der sehr bildhaft ist. Denn wie in einem
Treibhaus bewirken sie, dass die sichtbaren (kurzwelligen) Strahlen
der Sonne zwar das Innere des Hauses unser System aus Erdoberfläche
und der Troposphäre erreichen, dass aber die hier, aus
den Sonnenstrahlen entstehenden (langwelligen) Wärmestrahlen
das besagte Hausinnere nurmehr erschwert wieder verlassen können.
In der Folge wird es im Innern des Hauses angenehm warm.
Die Durchschnittstemperatur
der Erdoberfläche ist nun allerdings in den letzten hundert
Jahren um 0,4 bis 0,8 Grad Celsius angestiegen. Der Grund dafür
ist mit erheblicher Wahrscheinlichkeit der vom Menschen verursachte
(anthropogene) Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre.
Für die Zunahme von CO2 ist zu 77 Prozent
die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Zementproduktion verantwortlich
und zu 23 Prozent die veränderte Landnutzung in den Tropen,
vor allem Brandrodungen (IPCC,
2001). Vereinfacht dargestellt bewirkt die vom Menschen verursachte
Erhöhung der Treibhausgas-Konzentration eine stärkere
Isolierung des Glashausinneren von der Umgebung (Weltraum) durch
das Glasdach, so dass im Glashausinnern die Temperatur zusätzlich
ansteigt.
Wissenschaftlich
ausgedrückt bewirkt die anthropogene Erhöhung der Treibhausgase-Konzentration
eine verstärkte Absorption der von der Erde aus dem Sonnenlicht
umgewandelten Wärmestrahlung in der Atmosphäre und damit
auch eine Erhöhung der Rückstrahlung. Um die im solaren
Spektralbereich absorbierte Strahlung dennoch wieder abstrahlen
zu können, muss sich die Temperatur von Erdoberfläche
und darüber liegender Atmosphäre nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz
erhöhen.
Wird es nun
auf Grund des Treibhausgas-Effekts überall auf der Erde um
gleich viel wärmer? Nein, das System von Erde und Atmosphäre
ist dafür viel zu komplex. Die Temperaturanpassung und die
dadurch hervorgerufenen Effekte müssen also nicht global konstant
sein. Beispielsweise kann eine durch die Temperaturzunahme erhöhte
Verdunstung über den Ozeanen zu einer Erhöhung des Niederschlags
in kontinentalen Gebirgen und zu einer Vergrösserung der dortigen
Gletscher führen.
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Der direkte Aerosoleffekt beschreibt die Lichtstreufähigkeit
der luftgetragenen Partikel.
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Direkter Klimaeffekt der Aerosole
Um den natürlichen direkten Klimaeffekt der
Aerosolpartikel zu erklären, lässt sich wiederum das Bild
des Treibhauses verwenden. In früheren Zeiten sprühte
man verdünnte Kalkfarbe auf die Dächer der Treibhäuser,
wenn es in diesen im Sommer zu warm wurde. Dadurch wurde die einfallende
Sonnenstrahlung nicht mit der gleichen Intensität in das Haus
hineingelassen, sondern zum Teil vom Dach nach oben gestreut, also
quasi reflektiert. Die Aerosolpartikel sind nun in der Atmosphäre
das, was die Kalkfarbe für das Treibhaus ist. Zusammen mit
Wolken bewirken Aerosolpartikel, dass im globalen Mittel 30 Prozent
der eingestrahlten Intensität der Sonnenstrahlen innerhalb
der Atmosphäre von der Erdoberfläche weggestreut wird.
Sofern
die Partikel nicht selbst Sonnenstrahlen aufnehmen und in der Folge
Wärme abstrahlen, wie das bei Russteilchen der Fall ist, entspricht
der direkte Aerosoleffekt einem negativen Strahlungsantrieb (s.
Bild oben). Der
Strahlungsantrieb ist ein Mass für die vom Menschen zusätzlich
verursachte Strahlungsenergie, die in der Erdatmosphäre deponiert
wird.
Genauso
wie die meisten Treibhausgase kommen auch Aerosolteilchen natürlicherweise
in der Atmosphäre vor. Der direkte Effekt durch vom Menschen
verursachte Partikel, der den direkten Effekt durch natürliche
Teilchen verstärkt, ist in den Industrieregionen
am grössten, weil dort besonders
viele dieser anthropogenen Aerosole entstehen. Dies hat zur Folge,
dass lokal der abkühlende direkte Aerosoleffekt den wärmenden
Effekt der anthropogenen Treibhausgase zumindest teilweise aufheben,
mitunter sogar auch überwiegen kann.
Indem Aerosole
die Sonnenstrahlung streuen, ergibt sich noch ein weiterer Effekt,
der zwar nicht direkt klimarelevant, aber spannend zu wissen ist:
Die Sichtweite in der Troposphäre wird einschränkt. Ist
die Luft sehr rein, befinden sich also nur wenige natürliche
Partikel darin, so ist die Sichtweite durch die Streuung an Luftmolekülen
auf etwa 300 Kilometer begrenzt. Vom Menschen verursachte Aerosole
reduzieren diese Sichtweite typischerweise um einen Faktor 10 auf
lediglich 30 Kilometer.
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Die vier Stufen der Aktivierung von Aerosolpartikeln
zu Wolkentröpfchen.
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Indirekter Klimaeffekt
der Aerosole
Aerosolteilchen sind auch für die Bildung von
Wolken bedeutsam, deren "Dichte" und letztlich auch deren
"Lebensdauer". Dieser
Einfluss des Partikels
auf das Klima wird als indirekter Aerosoleffekt
bezeichnet.
Wolken
haben grundsätzlich die Eigenschaft, dass sie einen Teil des
Sonnenlichtes in den Weltraum zurückstrahlen und somit
abkühlend wirken. Dieses
Phänomen kann man gut selbst erfahren: Unter einer Wolke ist
es schattiger und auch kühler. Doch wie beeinflussen die kleinen
Aerosolpartikel ganz konkret ein so riesiges Gebilde wie eine Wolke?
Aerosolteilchen
können, in Abhängigkeit ihrer Grösse und chemischen
Zusammensetzung, als
so genannte Kondensationskeime für Wolkentropfen wirken, den
Grundbausteinen jeder Wolke. Dieser Prozess läuft folgendermassen
ab:
1. Das Aerosolpartikel stellt sozusagen die nötige Oberfläche
und Verunreinigung dar, die der in der Luft vorhandene Wasserdampf
braucht, um auf ihm zu flüssigem Wasser zu "werden"
respektive zu kondensieren.
2. Die Ionen (s. Glossar)
des Aerosolpartikels "verlassen" den Kern des Partikels
und "gehen" in den in Schritt 1 neu gewonnenen Wassermantel.
3. Dank dieser Ionen im Wassermantel wird der so genannte Dampfdruck
an der Wassermantel-Oberfläche erniedrigt. Dies führt
dazu, dass sich noch viel mehr Wasser an der Partikeloberfläche
anlagert.
4. Das ursprünglich rund 100 Nanometer grosse Aerosolpartikel
ist zu einem 10 bis 100 Mikrometer grossen Wolkentröpfchen
angewachsen sein Durchmesser hat also um einen Faktor 100
bis 1'000 zugenommen! Es handelt sich um ein so genannt aktiviertes
Aerosolteilchen. Aktivierte Partikel sind also jene Aerosolteilchen,
die als Keime bei der Wolkenbildung gedient haben und an dem das
Wolkentröpfchen gewachsen ist.
Hat
es in der Luft nun zusätzlich zu den natürlichen Aerosolpartikeln
zusätzlich noch solche, die vom Menschen verursacht wurden,
so verteilt sich der vorhandene Wasserdampf auf diese vergrösserte
Anzahl: Es gibt mehr Wolkentröpfen, und damit wird die Wolke
"dichter", da die einzelnen Tröpfchen kleiner sind.
Eine dichte Wolke hat die Eigenschaft, dass sie das einstrahlende
Sonnenlicht besser reflektiert respektive in den Weltraum "zurückschickt"
als eine "luftige" Wolke. In der Fachsprache wird diese
Kühlung der Erdoberfläche Negativer Strahlungsantrieb
(s. Glossar) genannt.
Eine
dichte Wolke "lebt" ausserdem länger, das heisst,
sie regnet weniger rasch aus. Wieso das? Aus Wolkentröpfchen
entstehen Regentropfen, indem sie aneinanderstossen, sich durch
diesen Aufprall vereinen und so anwachsen. Kleinere Wolkentröpfchen
weisen eine tiefere Vereinigungsrate
auf, was im Fachjargon Koagulationsrate genannt wird. Sie vereinen
sich also weniger effektiv, als wenn kleine mit grossen Wolkentröpfchen
zusammenstossen. Weil nun die Grösse
der Wolkentropfen in einer dichten Wolke langsamer zunimmt, dauert
es auch länger, bis die Tropfen die für den Niederschlag
notwendige Grösse erreichen. Die Wolke existiert folglich länger,
die Wolkenbedeckung nimmt zu, was wiederum einen negativen Strahlungsantrieb
zur Folge hat.
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Die Ablagerungen von Zigarettenrauch in der
Lunge sind klar sichtbar.

Dass Aerosole bis tief in die Lunge eindringen
können, wird auch in Form von Inhalationssprays medizinisch
genutzt.
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Einführung
Nebst den Einflüssen
der Aerosolteilchen auf das Klima, sind die luftgetragenen Partikel
gleichfalls für unsere Gesundheit wichtig. Sie wurden durch
Studien in der breiten Bevölkerung als Verursacher einer erhöhten
Sterblichkeit in der Bevölkerung erkannt (siehe auch www.dieselkrebs.de).
Der Grund liegt
in ihrer geringen Grösse. Weil sie nur wenige
millionstel bis einige wenige hundertstel Millimeter klein sind,
können sie mehrheitlich die oberen Atemwege Nase und
Rachen des Menschen ungehindert passieren, die ansonsten
über effiziente Reinigungsmechanismen verfügen. Über
die Bronchien dringen die Aerosolteilchen bis in die unteren Atemwege
ein und können von da auch in den Blutkreislauf gelangen. Diese
Fähigkeit der so genannten Lungengängigkeit wird in der
Medizin bereits genutzt: In Atem-Inhalationsprays kommen Wirkstoffaerosole
zum Beispiel zur Anwendung. Wenn die Partikel aber krebserregende
Substanzen auf sich tragen, dann ist das entsprechend gefährlich
für unseren Körper. Dies ist beispielsweise beim Rauchen
der Fall oder beim Einatmen von (Dieselmotor-)Abgasen.
Auch auf dem
Feld der gesundheitlichen Auswirkungen von Aerosolen ist mehr Forschung
nötig, um besser zu verstehen, wie diese Vorgänge ablaufen.
Denn es ist noch nicht klar, welcher Anteil des Partikels überhaupt
für die höhere Sterblichkeit verantwortlich ist. Ist es
seine chemische Zusammensetzung? Ist es die Art der Oberfläche?
ist es eine Kombination der beiden Faktoren? Oder schädigen
ganz andere Eigenschaften unseren Körper? Die Forscher sind
daran, diese und weitere wichtige Fragen zu klären!
 
in der so genannten "Sechs-Städte-Studie"
zeigt sich deutlich, dass in Städten mit hoher Aerosolbelastung
(L, H und S) die Sterblichkeit in der Bevölkerung deutlich
erhöht ist. (Quelle: Dockery et al., 1993)
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Schornsteinfeger - die ersten bekannten Russ-"Opfer".
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Ursprünge
Bereits
vor rund 200 Jahren wurde erkannt, dass Aerosolpartikel gesundheitliche
Auswirkungen auf den Menschen haben. Sir Percival Pott bemerkte
damals, dass Schornsteinfeger, die mit extrem hohen Russkonzentrationen
in Kontakt kamen, ungewöhnlich häufig an Hodenkrebs erkrankten
(Quelle: Goldberg, 1985). Diese Erkrankungen wurden wahrscheinlich
durch die im Russteilchen enthaltenen krebserregenden Substanzen
wie Benzo(a)pyren verursacht.
In den 70er-
und 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts folgten die ersten wirkungsbezogenen,
epidemiologischen Studien, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen
der Belastung unserer Luft durch Aerosolpartikel und Atemwegserkrankungen
bzw. Sterblichkeitsraten zeigten. Etwa zur gleichen Zeit erlebte
die Aerosolforschung einen grossen Aufschwung.
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Die menschlichen Atemwege sind in drei Bereiche
eingeteilt: Nase und Rachen zählt zu den oberen Atemwegen,
Kehlkopf und Hauptbronchie zu den mittleren und Bronchienspitzen
sowie Lungenbläschen zu den unteren Atemwegen.

In den Alveolen, den Lungenbläschen, findet
der Gasaustausch zwischen der Atemluft und dem Blut statt.
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Hauptfaktor Lungengängigkeit
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Aerosolen betreffen in erster
Linie die menschliche Lunge. Sie ist unser grösstes Organ,
das mit der Umwelt in ständigem Kontakt steht. Der Luftaustausch
von 10'000 bis 20'000 Litern pro Tag findet über eine Fläche
von etwa 100 Quadratmetern statt. Über die Lungenbläschen,
den Alveolen, wird der Sauerstoff in der Atemluft in den Blutkreislauf
abgegeben, und CO2 wird umgekehrt von dort
aufgenommen.
Die Grösse
der Aerosolpartikel ist von grundlegender Bedeutung für deren
gesundheitliche Auswirkungen: Je kleiner die Teilchen, desto grösser
die Eindringtiefe in die Lunge, auch Lungengängigkeit genannt.
Dabei gilt es, drei Bereiche zu unterschieden:
Obere Atemwege
Partikel grösser als 10 Mikrometer wie Pollen beispielsweise
bleiben in der Nase oder im Rachen "stecken".
Mittlere Atemwege für Aerosole von rund 5 Mikrometer
ist beim Kehlkopf Endstation.
Untere Atemwege für Aerosolpartikel von rund
4 Mikrometern stellen die Hauptbronchien eine wirksame Barriere
dar. Teilchen von 1 bis gut 3 Mikrometer Grösse dringen bis
in die Bronchienspitzen vor. Am weitesten gelangen diejenigen Partikel,
die kleiner 1 Mikrometer sind. Sie können alle "Filtersysteme"
passieren und landen teilweise in den Lungenbläschen respektive
Alveolen, wo sie sich auf deren enorm grossen Oberfläche ablagern.
Die Mehrheit der Aerosole gelangt übrigens bis in die unteren
Atemwege!
Apropos Alveolen:
Rund 300 Millionen Lungenbläschen bevölkern jede einzelne
menschliche Lunge. Sie stellen die Austauschfläche von Sauerstoff
und Kohlendioxid zwischen dem Blut und der Atemluft dar. Die Wandstärke
der Alveolen beträgt rund 0,001 Millimeter, ihr Durchmesser
ungefähr 0,25 Millimeter. Die Oberfläche der Lungenbläschen
ist mit einem dünnen Flüssigkeitsfilm (Surfactant) bedeckt.
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Aerosolpartikel können ins Blut gelangen.
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Wirkungsweise
Welcher
Anteil des Aerosolpartikels überhaupt für die schädlichen
Auswirkungen auf unsere Gesundheit bis hin zu einer erhöhten
Sterblichkeit verantwortlich ist, ist bislang noch nicht geklärt.
Ist es seine chemische Zusammensetzung? ist es die Art der Oberfläche?
ist es eine Kombination der beiden Faktoren? Die
Forschung verfügt allerdings über Anhaltspunkte und Hypothesen.
So wurde in Studien belegt, dass Partikel unter 2,5 Mikrometer Durchmesser
verstärkt zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate beitragen.
Dies im Vergleich mit Teilchen, deren Durchmesser grösser sind.
Bei
den Ursachen für die schädliche Wirkung in der Lunge sind
zwei Hauptmechanismen zu unterscheiden:
Wirkung durch wasserlösliche
Substanzen auf den Partikeln
Wirkung durch wasserunlösliche Partikel
 
Wasserlösliche Substanzen
des Aerosolpartikels können ins menschliche Blut gelangen,
wasserunlösliche Teilchen können für Entzündungen
sorgen.
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Russpartikel beispielsweise sind schlecht wasserlöslich.
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Wirkungsweise wasserunlöslicher Partikel
Gelangen
wasserunlösliche Partikel, wie zum Beispiel Russteilchen, mit
der Atemluft in die unteren Atemwege, so werden sie von der internen
"Gesundheitspolizei" (Makrophagen) als Eindringlinge erkannt
und attackiert. Jedes einzelne Partikel beschäftigt einen dieser
"Gesundheits-Polizisten". Dies
ist von Bedeutung, weil viele biologische
Effekte um so stärker sind, je grösser die Anzahl und
die Oberfläche der Partikel sind. Und dies ist bei den kleinen
Partikeln der Fall, denn vergleicht man dieselbe Masse grosser mit
jener von kleinen Partikeln, dann hat es von letzteren sowohl anzahlmässig
mehr und auch ihre gemeinsame Oberfläche ist viel grösser
als jene von wenigen grossen Partikeln.
Ist
die Anzahl der
wasserunlöslichen Aerosolpartikel hoch, wie das typischerweise
in Städten der Fall ist, so ist diese erste Abwehrlinie überfordert.
Dann können Partikel auch von den so genannten Epithelzellen,
welche die Lungenbläschen auskleiden, aufgenommen werden. Über
das weitere Schicksal dieser Partikel ist noch wenig bekannt. Gesichert
ist, dass der Körper sich gegen die potenzielle Gefährdung
mit einer lokalen Entzündungsreaktion
wehrt.
Bei dem in der Folge ausgelösten "Vernichtungsprozess"
wird auch gesundes Gewebe zerstört. Normalerweise sorgt der
Körper dafür, dass die entzündete Stelle wieder abheilt.
Wenn dieses Gleichgewicht jedoch gestört ist, kann noch mehr
gesundes Gewebe angegriffen werden.
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Ammoniumsulfat-Teilchen sind ein Beispiel für
gut wasserlösliche Aerosolpartikel.
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Wirkungsweise wasserlöslicher Partikel
Gelangen
Partikel mit wasserlöslichen Anteilen in die Lungenbläschen,
so lösen sich diese in der Folge in deren "wässrigen"
Oberfläche auf. Die so eingeschleusten Substanzen, die für
den Körper schädlich sein können, wirken nun vereint
und unabhängig von der Anzahl ihrer "Träger".
Was das für Folgen hat, das "wissen (bislang) nur die
Götter". Oder anders ausgedrückt: Die Wirkungsweise
wasserlöslicher Partikel ist umstritten und wird zurzeit erforscht.
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