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18 November, 2003
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Der Begriff Aerosol meint eigentlich das Aerosolteilchen und die
es umgebende Luft. Wissenschaftlich ausgedrückt lautet die
Definition: "Dispersion von flüssigen oder festen Teilchen
(= Partikel) in einem Gas, üblicherweise in Luft." Ein
mittelgrosses Aerosolpartikel misst zirka 100 Nanometer respektive
0,0001 Millimeter. Es ist also rund 2000 mal kleiner als das Satzzeichen
Punkt in einer gängigen Tageszeitung (s. auch "Anschauliche
Grössenvergleiche").
Die Forschung an diesen vielfältigen Mini-Partikeln mit grosser
Bedeutung für unser Klima und unsere
Gesundheit ist voll im Gange. Sie hat beispielsweise auch schon
Auswirkungen auf die Schweizer Gesetzgebung
gezeigt: Der Anfang 1998 eingeführte PM10-Grenzwert in der
Luftreinhalteverodnung basiert auf den Resultaten der Aerosolforschung.
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Unsere Luft, ein
Molekül-/Partikelgemisch.
Eiskristall.
Stadt: 100'000 Aerosol-teilchen pro cm3 Luft.
Land: 10'000 Partikel pro cm3 Luft.
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Unsere
Luft
Unsere Atmungsluft besteht hauptsächlich aus
gasförmigen Molekülen (s. Glossar),
und zwar zu 78 Prozent aus Stickstoff (N2),
zu 21 Prozent aus Sauerstoff (O2) und zu
1 Prozent aus anderen Gasen. Die Zahlen beziehen sich auf "trockene"
Luft, die es so im Freien nicht gibt. Unsere Umgebungsluft enthält
zusätzlich 1 bis 5 Prozent Wasserdampf. Alle
diese verschiedenen Moleküle sind weniger als ein Nanometer
klein, das heisst weniger als ein millionstel Millimeter (1000
Nanometer = 1
Mikrometer; 1000
Mikrometer = 1 Millimeter).
Aerosolpartikel sind im Gegensatz zu den Gasmolekülen feste
oder flüssige Teilchen, und ihre Grösse reicht von einem
Nanometer bis zu mehreren Mikrometern.
Noch grösser sind Wolkentröpfchen und Eiskristalle, also
die eigentlichen Bestandteile einer Wolke. Sie messen 10 bis 100
Mikrometer. Mit einer Grösse von mehreren Millimetern sind
die Regentropfen und Schneeflocken richtige "Brummer"
unter den Teilchen in unserer Luft, weshalb sie ja auch zu Boden
fallen.
Aerosolpartikel
kommen an verschiedenen Standorten übrigens verschieden häufig
vor: In der Stadt misst man typischerweise 100'000 Partikel pro
Kubikzentimeter Luft, auf dem Land 10'000 Partikel und in der mittleren
und oberen Troposphäre (Luftschicht bis 10 Kilometer Höhe),
in der sich auch
das Jungfraujoch befindet, deren 1000.
Unser
Himmel
Die
Moleküle in der Luft sind dafür verantwortlich, dass unser
Himmel blau erscheint. Der Grund liegt darin, dass sie wie
Aerosolpartikel
das Licht streuen. Nach den Gesetzen der Beugung erfolgt die Streuung
des blauen, kurzwelligen Anteils des Sonnenlichtes am stärksten.
Die Aerosolpartikel
beeinflussen nun je nach Art und Situation das Himmelblau. Ist die
Luft zum Beispiel sehr stark mit Russpartikeln verschmutzt, so wirkt
der Himmel in der Folge grau und dunstig.
Die
luftgetragenen Teilchen sind auch für das Morgen- und Abendrot
"zuständig": Weil das zu diesen Stunden schräg
auf die Erdoberfläche einstrahlende Sonnenlicht einen viel
weiteren Weg durch die Atmosphäre als am Mittag zurücklegen
muss, halten die Aerosolpartikel zusätzlich zu den Molekülen
die blauen und grünen Lichtanteile zurück und wirken deshalb
wie ein Rotfilter. Je mehr Teilchen (s. auch "Warum
Aerosolforschung") es in der Luft hat, desto stärker
ist der Himmel übrigens rot gefärbt
Regen liegt in der Luft. Ohne ein/e HellseherIn zu sein, kann also
durch die Beobachtung des Himmels das Wetter vorhergesagt werden.
Das Sprichwort "Morgenrot
schlecht Wetter droht" beschreibt diesen Sachverhalt. "Abendrot
Schönwetterbot" trifft insofern zu, als dass die Abendröte
verursachende hohe Luftfeuchtigkeit oft bereits in der Nacht "abregnet",
so dass am anderen Morgen bereits wieder die Sonne lacht. Die beiden
Wetterprophezeiungen haben allerdings nicht auf der ganzen Welt
ihre Gültigkeit. Zutreffend sind sie nur dort, wo das schlechte
Wetter tendenziell von Westen kommt (Himmelsrichtung, in der die
Sonne untergeht), wie es aber in der Schweiz häufig der Fall
ist.
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Wäre ein durchschnittliches Aerosoteilchenl
so gross wie eine Stecknadel, so hätte diese wiederum die Grösse
von zwei Heissluftballons.
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Aerosolpartikel sind so klein, dass man sie normalerweise
nicht von Auge sehen kann. Ausser, man blickt an einem schönen
Sommertag mit leicht zugekniffenen Augen in Richtung der Sonne (diese
mit der Hand abdecken). Dann sieht man feinste Stäubchen in
der Luft schweben. Das sind sie, die Aerosolpartikel.
Sie sind also wirklich sehr klein. Das Satzzeichen "Punkt",
wie es in einer gängigen Tageszeitung verwendet wird, ist beispielsweise
rund 2000-mal grösser als ein mittelgrosses Partikel von 100
Nanometer Durchmesser. Oder unser Haar
es ist verglichen mit dem "Durchschnitts-Aerosol" 100
bis 1000 mal dicker.
Bakterien, die dafür berüchtigt sind, Krankheiten von
Mensch zu Mensch über die Luft zu übertragen, sind übrigens
auch noch 10 bis 100-mal grösser als ein durchschnittliches
Aerosolteilchen.
    
Aerosolpartikel:
im Mittel rund 0.1 Mikrometer gross. Menschliches Haar: 10 bis 100
Mikrometer "dick". Bakterien: 1 bis 10 Mikrometer gross
(v.l).
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Aerosole wirken direkt und indirekt auf das
Klima.

Kleine Aerosole gelangen tief in unsere Lunge.
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Auswirkung auf das Klima
Aerosole haben einen Einfluss auf unser Klima. Indem sie einerseits
Sonnenlicht zurück in den Weltraum streuen und andererseits
dazu beitragen, dass sich Wolken bilden, wirken sie tendenziell
abkühlend auf unsere Erde. Wie gross diese beiden Effekte sind,
darüber herrscht noch Unklarheit.
Damit genauere Aussagen über die Klimarelevanz von Aerosolen
möglich sind, ist weitere Forschungsarbeit nötig. Diese
ist von grosser Bedeutung, denn die abkühlende Wirkung des
direkten und indirekten
Aerosol-Effekts steht im Gegensatz zum bekannten Treibhausgas-Effekt,
der für eine Erwärmung der Erdatmosphäre sorgt. Neue
wissenschaftliche Erkenntnisse führen in der Folge beispielsweise
zu präziseren Klimamodellen (s. Glossar). Mehr darüber
unter "Warum Aerosolforschung".
Auswirkung auf unsere Gesundheit
Aerosole sind gleichfalls wichtig für unsere Gesundheit. Weil
sie so klein sind, können sie die Atemweg-Filtersysteme des
Menschen ungehindert passieren. Über die Bronchien dringen
sie je nach Grösse bis in die so genannten Lungenbläschen
respektive Alveolen (s. Glossar) der Lunge ein und gelangen von
da teilweise auch in den Blutkreislauf. Diese Fähigkeit der
Aerosole wird in der Medizin bereits genutzt: In Atem-Inhalationssprays
kommen Wirkstoff-Partikel zum Beispiel zur Anwendung. Wenn die Teilchen
aber krebserregende Substanzen auf sich tragen, dann ist das entsprechend
gefährlich für unseren Körper. Dies ist beispielsweise
beim Rauchen der Fall oder beim Einatmen von (Dieselmotor-)Abgasen
(siehe www.dieselkrebs.de).
Auch
hier ist mehr Forschung nötig, um besser zu verstehen, wie
diese Vorgänge ablaufen. Die Resultate können unter anderem
in der Bestimmung von Grenzwerten zum Einsatz kommen. Mehr darüber
unter "Warum
Aerosolforschung".
Auswirkungen
auf unsere Gesetzgebung
Eine konkrete Auswirkung der Aerosolforschung auf unsere Gesetzgebung
und damit unser Alltagsleben ist beispielsweise der Anfang 1998
eingeführte PM10-Grenzwert. Dieser besagt, dass es von Aerosolen,
die kleiner als zehn Mikrometer sind, nicht mehr als 20 Mikrogramm
pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt und deren 50 im Tagesdurchschnitt
haben darf. Es handelt sich dabei
um eine Vorschrift in der Luftreinhalteverordnung des Bundes (www.umwelt-schweiz.ch;
Fachgebiete; Luft), genauso wie unter anderem die Ozongrenzwerte.
Der
PM10-Grenzwert trägt der Tatsache Rechnung, dass zwischen erhöhter
Aerosol-Belastung und erhöhter Sterberate ein Zusammenhang
nachgewiesen wurde (Dockery et al., 1993). Dabei ist noch nicht
klar, welcher Anteil des Aerosolpartikels überhaupt für
die höhere Sterblichkeit verantwortlich ist. Ist es seine chemische
Zusammensetzung? Ist es die Art der Oberfläche? Ist es eine
Kombination der beiden Faktoren? Oder schädigen ganz andere
Eigenschaften des Aerosolteilchens unseren Körper? Die Forscher
sind daran, diese und weitere wichtige Fragen zu klären!
Mehr
darüber unter "Warum
Aerosolforschung/Gesundheit".
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Es gibt grundsätzlich zwei Sorten von Aerosolpartikeln: Einerseits
anthropogene, also solche, die vom Menschen verursacht werden. Dazu
zählen beispielsweise die Russpartikel. Andererseits entstehen
die luftgetragenen Teilchen wie Pollen, Mineralstaub und Meersalz
auch "natürlich". Ammoniumsulfat und so genannte
Nanopartikel können beiderlei Ursprung haben. Egal ob anthropogen
oder biogen - alle weisen sie ganz spezifische Merkmale auf, die
in unterschiedlicher Art und Weise auf unser Klima und unsere Gesundheit
einwirken.
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Nanopartikel sind zu klein und zu flüchtig,
um abgebildet werden zu können.
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Nanopartikel
Grösse: kleiner
als 30 Nanometer (1 nm = 0.001 Mikrometer = 0.000001 Millimeter).
Quelle: diverse gasförmige Vorläufer, die vom Menschen
oder von der Natur (insbesondere Pflanzen) verursacht werden. Nanopartikel
treten indes auffallend häufig neben verkehrsreichen Strassen
auf. Sie bilden sich im abkühlenden Abgas ausserhalb des Auto-Auspuffs.
Aussehen: kugelförmig, vermutlich flüssig.
Lebensdauer: wenige Stunden.
Die kurze Lebensdauer ist insbesondere dadurch begründet, dass
die Nanopartikel rasch mit grösseren Partikeln "verwachsen"
respektive koagulieren.
Merkmal:
Wenn Nanopartikel vorkommen, dann in grosser Anzahl.
Weil Nanopartikel so klein sind, können sie tief in
unsere Lungen gelangen. Sie sind also gut lungengängig und
damit bedeutsam für unsere Gesundheit.
Die Nanopartikel sind noch wenig erforscht.
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Russpartikel
Grösse: rund 100
Nanometer.
Quelle: vom Menschen verursachte, unvollständige Verbrennung
fossiler Brennstoffe (s.Glossar).
Dieselmotoren produzieren zum Beispiel viele Russpartikel.
Aussehen: filigran verästelt, schwarz.
Lebensdauer: rund eine Woche. Die Lebensdauer hängt
davon ab, welche Alterungsprozesse die Russpartikel erfahren. In
diesem Zusammenhang ist ihre Fähigkeit, Wasser anzulagern von
Bedeutung. Ebenfalls
wichtig für ihre Lebensdauer ist, wie häufig es nach ihrer
"Geburt" regnet, weil dann die Russpartikel aus der Luft
"ausgewaschen" werden.
Merkmal:
Russ ist krebserregend.
Russpartikel sind so klein, dass sie tief in die Lungen gelangen.
Die schwarzen Partikel "schlucken" respektive absorbieren
das Sonnenlicht sehr gut. Dies ist wichtig für den "direkten"
Klimaeffekt der Aerosole.
"Frische" Russpartikel sind hydrophob, das heisst
wasserunlöslich, während gealterte Russpartikel hygroskopischer
sind, sie können also besser Wasser anlagern. Die Fähigkeit,
Wasser anzulagern, ist ein weiterer bedeutsamer Prozess für
die Klimaforschung.
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Ammoniumsulfat
Grösse: um 100
Nanometer.
Quelle: diverse. Das Ammoniumsulfat-Aerosol, (NH4)2SO4,
entsteht erst durch chemische Vorgänge in unserer
Atmosphäre (s. Glossar)
und ist deshalb ein so genannt sekundäres Aerosol. SO2,
das aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe resultiert, und NH3,
das seine Quelle in der Industrie und Landwirtschaft hat, sind die
Vorläufer-Gase.
Aussehen: kompakt, weiss.
Lebensdauer: rund eine Woche.
Merkmal:
Ammoniumsulfat ist gut wasserlöslich und damit gut wolkenbildend.
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Meersalz
Grösse: 200 Nanometer
bis rund 10 Mikrometer.
Quelle: Meer; Zersprühung von Meerwasser beispielsweise
bei einer Brandung oder bei Wellengang (Gischt).
Aussehen: kompakt, weiss.
Lebensdauer: Stunden bis wenige Tage.
Merkmal:
Meersalz
besteht vorwiegend aus NaCl, wie das in unserer Küche verwendete
Kochsalz.
Meersalz
ist sehr gut wasserlöslich und damit gut wolkenbildend.
Meersalz-Aerosole stellen keine Gefahr für die Gesundheit
dar.
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Pollen
Grösse: rund 3
bis 100 Mikrometer.
Quelle: Pflanzen respektive pflanzliches Material (Pollenflug).
Aussehen: formschöne vielfältige Erscheinung.
Lebensdauer: Stunden bis Tage. Pollen werden durch Regen
sehr wirksam aus unserer Luft ausgewaschen.
Merkmal:
- Pollen-Aerosolpartikel sind schlecht wasserlöslich.
- Pollen stellen für Allergiker ein gesundheitliches Problem
dar (bekannt als Heuschnupfen).
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