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9 September, 2003
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WMO-Logo.
GAW-Logo.
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Global Atmosphere Watch ist ein Messprogramm, das von der World
Meteorological Organization 1988 ins Leben gerufen wurde. Die WMO
ist eine Organisation der Vereinigten Nationen. Sie koordiniert
von Genf aus globale wissenschaftliche Aktivitäten auf den
Gebieten Wettervorhersage, Luftverschmutzung, Klimaveränderung,
Ozonschichtveränderung, Tropensturm-Warnung usw. Ihre Aktivitäten
zielen darauf ab, die Sicherheit des menschlichen Lebens zu erhöhen,
die Entwicklung der Nationen im sozialwirtschaftlichen Bereich zu
fördern und die Umwelt zu schützen. Die Hauptforschungsprogramme
der WMO heissen: World Weather Watch, World Climate Research Programme,
Atmospheric Research and Environment Programme, Applications of
Meteorology Programme und Hydrology and Water Resources Programme.
Detaillierte Informationen (in Englisch) zur WMO finden sich auf
ihrer Homepage www.wmo.ch
Im WMO-Forschungsbereich Atmospheric Research and Environment Programme
ist nun Global Atmosphere Watch angesiedelt. Aerosolforschung und
-monitoring (Langzeitbeobachtung) ist innerhalb GAW einer von mehreren
Schwerpunkten. Zum Schweizer GAW-Programm gehören beispielsweise
nebst den Aerosolmessungen auf dem Jungfraujoch auch die Verbesserung
und Qualitätssicherung der Ozonmessdaten sowie die Vervollständigung
des Strahlungsmessprogramms, das zeigen will, welche Form von Licht
sich wo in den verschiedenen Regionen- und Höhenstufen der
Schweiz befindet.
Das Aerosolprogramm geniesst jedoch innerhalb von GAW einen hohen
Stellenwert, da es sich um ein neues Forschungsgebiet handelt und
demnach noch viele offene Fragen zu beantworten sind. Das Messnetz
im Aerosolbereich von GAW umfasst zurzeit stolze 22 globale (s.
Bild unten) und über 300 regionale Stationen auf allen fünf
Kontinenten. Unter www.empa.ch/gaw/gawsis
können die wichtigsten Informationen zu jedem einzelnen Messpunkt
abgerufen werden.

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Len Barrie, Direktor von GAW.
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Das
Programm jeder dieser GAW-Stationen im Bereich Aerosolforschung
muss insbesondere zwei Grundanforderungen erfüllen. Einerseits
ist dies die Durchführung kontinuierlicher Aerosol-Messungen
über Jahre hinweg, was im Fachjargon mit Monitoring bezeichnet
wird. Dies mit dem Ziel Trends abzuleiten, wie zum Beispiel:
verändert sich die Anzahl der Aerosolpartikel?
verändern sich gewisse physikalischen Eigenschaften
der Aerosolpartikel wie ihr Lichtstreuvermögen?
verändert sich die chemische Zusammensetzung der Aerosolpartikel?
Andererseits müssen Intensivmesskampagnen durchgeführt
werden, um spezifische Wirkungsmechanismen wie zum Beispiel den
Einluss der luftgetragenen festen oder flüssigen Teilchen auf
die Wolkenbildung besser zu verstehen.
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Das System von Erde und Atmosphäre ist
komplex.
Urs Baltensperger, Vorsitzender des GAW-Wissenschaftrates
für Aerosole und
Leiter des Labors für Atmosphärenchemie
am PSI.
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GAW hat zum langfristigen Ziel, aus allen Teilen der Welt Daten
und andere Informationen über die chemische Zusammensetzung
der Atmosphäre und die damit zusammenhängenden physikalischen
Merkmale zu sammeln und auszuwerten. Mit diesen Informationen hofft
man, einerseits das Verhalten der Atmosphäre und ihre Wechselwirkung
mit Ozeanen und Biosphäre (s. Glossar)
detaillierter zu erfassen sowie andererseits die zukünftige
Entwicklung des Systems von Erde und Atmosphäre besser zu verstehen.
Einfluss des Menschen im Visier
Der Aerosolbereich
des Programms hat seinerseits zum Ziel, den Einfluss der von Menschen
verursachten (anthropogenen) Aerosolpartikel auf unser Klima zu
untersuchen. Die weltweit erhobenen Daten fliessen ins Weltdatenzentrum
für Aerosole im italienischen Ispra. Dort werden sie aufgearbeitet
und gelagert, um bei Anfrage für Forschungszwecke zur Verfügung
gestellt werden zu können. Die WMO hegt zudem Pläne, ein
Aerosol-Bulletin zu verfassen, das in regelmässigen Abständen
über die Aerosolbelastung auf unserer Erde informieren würde.
Wichtiger
Wissenschaftsrat
Eine wichtige Rolle innerhalb der Organisation von GAW haben die
so genannten SAGs, die Scientific Advisory Groups. Der Vorsitzender
der SAG im Bereich Aerosole, Urs Baltensperger, Leiter des Labors
für Atmosphärenchemie am PSI, sagt zu seiner Aufgabe:
"Innerhalb der SAG bestimmen wir, welche Eigenschaften respektive
Parameter von den Mitgliedern des Programms überhaupt gemessen
werden müssen und vor allem auch wie. Denn nur so können
die Daten, die an den unterschiedlichsten Orten auf der Welt erhoben
werden, miteinander verglichen und in Zusammenhang gebracht werden."
Dies bedeutet auch, dass die Mitglieder ihr Wissen untereinander
teilen und austauschen, damit in allen Ländern die Messungen
auf einem ähnlichen Niveau betrieben werden können.
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Jungfraujoch-Logo.
Ein Bild aus vergangenen Tagen ...
...und eines aus der Gegenwart.
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Die
Station und ihre Geschichte
1912
wurde die Jungfraujoch-Bahn fertig gestellt, die heute als eine
der ganz grossen Schweizer Touristenattraktionen gilt. Ihre Endstation
liegt mit 3'554 Meter über Meer so hoch, dass die Besucher
mit rund einem Drittel weniger Sauerstoff als im Mittelland auskommen
müssen. Die Denkleistung wird dadurch beispielsweise beeinträchtigt:
man wird vergesslicher, ermüdet leichter und einige, die sich
länger auf dieser Höhe aufhalten, klagen auch über
Kopfschmerzen. Wer einen Besuch plant, dem sei an dieser Stelle
geraten, vor der Abfahrt allfällig mitgebrachte Proviantbehälter
gut zu verschliessen. Der Grund: Durch den, verglichen mit der Ebene,
gleichfalls um einen Drittel tieferen Luftdruck, dehnt sich die
Luft bei der Fahrt aufs "Joch" in solchen Behältern
aus. Dadurch kann es geschehen, dass es beispielsweise einem Joghurt
mit Ankunft in der Welt aus ewigem Schnee und Eis den Deckel "lupft".
Aber
zurück zu den Anfängen. Kaum war Europas höchstgelegene
Bahnstation eröffnet, nutzten auch Wissenschafter den Standort
mit seinen aussergewöhnlichen Möglichkeiten. Unter der
Federführung des bekannten Geologen und Grönlandforschers
Alfred de Quervain entstand schon bald der Plan, eine eigentliche
Forscherstation auf dem Jungfraujoch zu erbauen. Nach de Quervains
frühem Tod setzte sich der Physiologe W.R. Hess für dieses
Projekt ein. 1930 war es soweit: Die internationale Fördergemeinschaft
"Hochalpine Forschungsstation Jungfraujoch" wurde gegründet.
Und nur ein Jahr später konnten die eigentliche Lokalitäten
eingeweiht werden, in denen seither Wissenschaft in den Bereichen
Umweltforschung, Physiologie (Lehre von den Funktionen der Organe,
Gewebe und Zellen), Meteorologie, Glaziologie (Gletscherkunde),
Radioaktivitätsüberwachung, Erforschung der kosmischen
Strahlung und Astronomie betrieben wird (siehe auch www.ifjungo.ch).
Das Observatorium, für Millionen von Touristen Erkennungszeichen
der wissenschaftlichen Aktivitäten auf dem Jungfraujoch, wurde
1937 eingeweiht.
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Ernest Weingartner,
Verantwortlicher für die
Aerosol-Forschung auf
dem JFJ und Leiter der Aerosolgruppe am Labor
für Atmosphärenchemie
am PSI.
Ein Standort, zwei
Luftschichten: Im
Sommer befindet sich
das Jungfraujoch am
Morgen (Bild oben) in der freien Troposphäre
(hellblau), am Nachmittag
wird es von der planetaren Grenzschicht
(dunkelblau/grün) beeinflusst.
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Die Station und ihre wissenschaftliche Bedeutung
Auf dem Jungfraujoch leisten Forscher von über 25 internationalen
Teams rund 1000 Arbeitstage pro Jahr. Die so gesammelten Resultate
werden jährlich in zirka 100 Fachpublikationen veröffentlicht.
Der 24-Stunden-Betrieb wird durch zwei sich abwechselnde Hauswarts-Ehepaare
aufrechterhalten: Einerseits sind sie für die Beherbergung
der ForscherInnen verantwortlich, andererseits übernehmen sie
Wetterbeobachtungsaufgaben und warten teilweise mehr als ein Dutzend
Messgeräte, die kontinuierlich in Betrieb sind.
Die
Forschungsstation Jungfraujoch (JFJ) ist innerhalb des Aerosolprogramms
von GAW von grosser Bedeutung. Sie ermöglicht die Analyse und
Beobachtung der in Kontinentaleuropa vom Menschen verursachten Luftverschmutzung.
Das Besondere ist ihre Lage: Das "Joch" befindet sich
für diesen Forschungszweck auf einer geeigneten Höhe,
nämlich im Bereich der mittleren Troposphäre (Troposphäre
= Luftschicht bis zehn Kilometer Höhe, s. Glossar).
Hier können die Aerosole fern ihrer Entstehungsquelle, dafür
am Ort der Wirkung beobachtet werden.
Im Sommer wird das Jungfraujoch zudem oftmals am Nachmittag von
der planetaren Grenzschicht (s. Glossar)
beeinflusst. Bei der planetaren Grenzschicht handelt es sich um
jene Luftschicht, in der sich die Luftschadstoffe ansammeln. Ihre
Begrenzung zur Troposphäre ist durch einen "Knick"
im Temperaturprofil gekennzeichnet, der eine Durchmischung der beiden
Luftmassen verhindert. Dadurch, dass die Forschungsstation Jungfraujoch
nun je nach Tages- und Jahreszeit von der planetaren Grenzschicht
beeinflusst ist, die quellennahe Aerosole mit sich trägt, oder
sich gänzlich in der freien Troposphäre mit ihren quellenfernen
Aerosolteilchen befindet, können an demselben Standort die
unterschiedlichen Partikel-"Sorten" untersucht werden.
Ein
Vorteil des Schweizer GAW-Standortes ist des Weiteren, dass die
abgelegene Station nur sehr geringen lokalen Beeinflussungen ausgesetzt
ist. Störquellen beeinträchtigen nämlich die wissenschaftliche
Arbeit stark und machen sie im Extremfall unbrauchbar. Gleichbleibende
Bedingungen sind für die Qualität der Aerosol-Messungen
für GAW deshalb von zentraler Bedeutung.
Im
Rahmen von GAW ist die Forschungsstation Jungfraujoch als eine der
über 300 lokalen Stationen aufgeführt, ihr Messprogramm
entspricht jedoch dem einer globalen Station.
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Aussenmessungen mit Ausblick bei Sonnenaufgang
auf den Aletschgletscher und bei Sonnenuntergang auf ein Nebelmeer...
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... und Innenmessungen an der hochalpinen Forschungsstationen
Jungfraujoch auf 3580 M.ü.M. Die
Anlagen auf dem Jungfraujoch im Überblick.
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